Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig (* 1947) hatte bereits in den 1990er Jahren die Idee, der Opfer des NS-Regimes im Dritten Reich mit einem dezentralen Denkmal zu gedenken. Der Gedanke war, dass man einem großen Einzeldenkmal relativ leicht aus dem Weg gehen kann, während man sich einer Vielzahl an kleinen Gedenksteinen nicht so leicht entziehen kann.

In den Konzentrationslagern wurden den Menschen ihre Namen genommen, sie waren für die Aufseher nur noch „Nummern“. Gunter Demnigs Wunsch war es, diesen Menschen ihre Namen wieder zu geben und dafür zu sorgen, dass ihr Leid niemals vergessen würde.

Die Steine in den Boden einzulassen führt dazu, dass jeder, der auch nur schauen will, um was es sich handelt, vor dem Verstorbenen das Haupt neigen oder sich gar verbeugen muss. Eine Ehrerweisung, die den Menschen im Leben, zumindest in den letzten Jahren ihres Lebens, verwehrt geblieben ist.

Mit inzwischen über 70.000 Stolpersteinen in 1265 Städten und Gemeinden Deutschlands und in 21 Ländern Europas (Stand 2018) sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt geworden. Und es werden ständig mehr. Mehr Steine. Mehr Städte und Gemeinden. Mehr Länder. Schließlich liegt die Zahl der Opfer auch noch sehr viel höher. 

Die Initiative „Miltenberger Stolpersteine – gegen das Vergessen“

Am 28. Januar 2015 beschloss der Stadtrat von Miltenberg, dass in Miltenberg Stolpersteine zur Erinnerung und zum Gedenken an die Miltenberger Bürger, die während des Nazi-Regimes von Deutschland ermordet wurden, verlegt werden sollen.

Schon vorher, Ende 2013, hatte sich die Initiative „Miltenberger Stolpersteine – GEGEN DAS VERGESSEN“ gegründet und das Zitat des jüdischen Juristen Fritz Bauer (1903 – 1968)

„Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“

zu ihrem Wahlspruch gemacht.

Nach dem Beschluss des Stadtrates konnte nun die Initiative mit der Arbeit für die Verlegungen der Stolpersteine beginnen. Ein Teil dieser Aktivitäten war, Spenden für die Stolpersteine und die sonstigen Verlegungs-Kosten zu sammeln, was auch Dank der Spender und Stolperstein-Paten, von denen sich einige als sehr großzgig zeigten, gelang.

Im Mai 2016 hat Gunter Demnig dann die ersten neun Stolpersteine in Miltenberg verlegt. Weitere folgten im Juni 2017 und im Juli 2018. Inzwischen liegen hier 44 Stolpersteine, mit denen 44 Menschen gedacht wird, die von den Nazis ermordet oder in den Tod getrieben wurden.

Zu den ersten beiden Verlegungen kamen insgesamt 35 Nachfahren, Enkel, Urenkel und Ururenkel der Opfer. Sie kamen aus Großbritannien, Kanada und Israel und zeigten damit, wie wichtig ihnen die Stolpersteine als Erinnerung für ihre Angehörigen sind. Was die Stolpersteine den Angehörigen der Opfer bedeuten, bringt ein Enkel von Rosa und Oskar Moritz in diesem Beitrag zum Ausdruck.

Alle Verlegungen fanden unter Beteiligung von Schülern und Lehrern der Mittelschule, der Realschule und des Gymnasiums statt. Sie hatten mit ihren selbst erarbeiteten Beiträgen einen erheblichen Anteil am Gelingen der Feierlichkeiten. 

Gerne können Sie auch eine Themenführung zu den Stolpersteinen in Miltenberg buchen.

Wenn Sie sich für das Thema interessieren, lohnt sich außerdem ein Besuch in der hochwertigen und spannenden Judaica-Ausstellung im Museum Stadt Miltenberg oder auf einem der beiden Jüdischen Friedhöfe „Am Klausrain“ („Neuer Jüdischer Friedhof“) oder am Burgweg („Alter Jüdischer Friedhof“). Die Schlüssel können während der Öffnungszeiten des Rathauses im städtischen Bauamt ausgeliehen werden, Tel: 09371-404139.

Zusätzlich zu den Stolpersteinen ist in Miltenberg auch ein Teil des dezentralen Denkmals “DenkOrt Deportationen 1941 – 1944“. 

Im Gedenken an die Opfer

Hier sind die Menschen, derer mit den Stolpersteinen gedacht wird, einzeln aufgeführt. Die Reihenfolge ist alphabetisch.

Wenn Sie auf die Bilder klicken, werden Sie automatisch weitergeleitet – und zwar auf die Biografien der jeweiligen Personen bei der Datenbank „Jüdisches Unterfranken“.

Falls Sie einen Angehörigen suchen, finden Sie hier die Suchmaske der Datenbank.

Die hier abgebildeten Fotos der Opfer stammen aus verschiedenen Quellen und wurden wie die Fotos der Stolpersteine von der Initiative Miltenberger Stolpersteine – GEGEN DAS VERGESSEN zur Verfügung gestellt.

Clementine Böttigheimer

Hauptstraße 89

Flora Dahlheimer

geb. Kahn
Hauptstraße 68

Leopold Dahlheimer

Hauptstraße 68

Martin Dahlheimer

Hauptstraße 68

Rosa Dahlheimer

geb. Solinger
Hauptstraße 68

Wolfgang Dahlheimer

Hauptstraße 68

Rudolf Falk

Hauptstraße 138

Elias Fried

Hauptstraße 89

Emilie Fried

geb. Levi
Hauptstraße 89

Hermann Fromm

Hauptstraße 113

Abraham Heß

Mainstraße 57

Bella Berta Heß

Mainstraße 57

Nanny Nathalia Anny Heß

geb. Freudenberger
Mainstraße 57

Siegfried "Sally" Heß

Mainstraße 57

Berta Heymann

geb. Dahlheimer
Hauptstraße 141

Leon Heymann

Hauptstraße 141

Nanni Hirsch

geb. Klingenstein
Hauptstraße 213

Carolina Hofmann

geb. Schloss
Hauptstraße 147

Siegmund Klingenstein

Hauptstraße 213

Marcus Lindheimer

Hauptstraße 187

Berta Mannheimer

geb. Schloss
Hauptstraße 147

Martha Martczak

geb. Oppenheimer
Mainstraße 59

Adolf (Adolph) Marx

Hauptstraße 193

Friedrich Marx

Hauptstraße 193

Mira (Maria Anna) Marx

Hauptstraße 193

Manfred Moritz

Hauptstraße 162

Oskar Moritz

Hauptstraße 162

Rosa Moritz

geb. Königsberger
Hauptstraße 162

Paula Nussbaum

geb. Cahn
Hauptstraße 154

Henny Oppenheimer

Mainstraße 59

Wilhelm Oppenheimer

Mainstraße 59

Ida Schmidt

geb. Rosenbaum
Untere Walldürner Straße 8
Gedenken an Ida Schmidts Verzweiflungstat

Adolf Simons

Hauptstraße 89

Erna Simons

geb. Fried
Hauptstraße 89

Gerd Gustav Simons

Hauptstraße 89

Josefine Simons

geb. Mosbacher
Hauptstraße 89

Otto Simons

Hauptstraße 89

Adolf Stargardter

Hauptstraße 78

Frieda Stargardter

geb. Dahlheimer
Hauptstraße 78

Irma Irene Ullmann

geb. Selig
Hauptstraße 110

Betty Weichsel

Hauptstraße 150

Ernestine Weichsel

geb. Halle
Hauptstraße 150

Julius Weichsel

Hauptstraße 150

Simon Weichsel

Hauptstraße 150